The Help-Verfilmung – gut, aber nicht annähernd so aufrüttelnd
Veröffentlicht von Kathrin in Literaturverfilmungen und Filmvorlagen am 22. Januar 2012
Vor einigen Tagen habe ich es endlich einmal geschafft, die Verfilmung von Kathryn Stocketts „The Help“ zu sehen. Da ich den Roman liebte, war ich extrem neugierig auf die Umsetzung. Der Trailer schien schon vielversprechend, erweckte jedoch den Eindruck, dass der Film eine sehr seichte Abwandlung der Geschichte sein könnte. Das Gute: Trotz der warmen Farben und Witz hat der Film die ernste Kernaussage der Geschichte nicht verloren. Die Besetzung der Rollen ist wunderbar, auch wenn ich mir Elizabeth, Aibileen und Mae Mobly beim Lesen anders vorstellte. Der Film ist durchaus sehbar, kurzweilig und man kann es wohl kaum bereuen, ihn gesehen zu haben. Allerdings mussten wie bei fast jeder Romanverfilmung Abstriche gemacht werden. So sind die Charaktere nicht ganz so facettenreich wie im Buch und manches Zwischenmenschliche wurde nicht Roman getreu umgesetzt: So ist die Beziehung zwischen Skeeter und ihrer Mutter im Film deutlich besser und nicht annähernd so gestört wie im Buch, die einzelnen Haushaltshilfen und Skeeter haben mit weniger Ängsten und Selbstzweifeln zu kämpfen und Elizabeth wird nicht ganz so herzlos interpretiert, wie sie im Buch porträtiert wurde. Kurz: Alles, was sehr ins Extreme ging, wurde etwas milder umgesetzt. Dadurch werden die gefährlichen Umstände, denen Skeeter und die Haushaltshilfen ausgesetzt sind, der lange und steinige Weg, den sie gehen müssen, abgeschwächt. Das macht den Film weit weniger aufrüttelnd und entfacht weniger Ärger über die Diskriminierung als dies bei Stocketts Roman der Fall ist.
Hinzu kommt, dass Aibileen, die im Buch – zumindest für mich – die wichtigste Person darstellt und allem einen Rahmen gibt, im Film etwas zu sehr in den Hintergrund gerät. Dafür ist Minny mit ihrer Kuchengeschichte deutlich häufiger der Dreh- und Angelpunkt in der filmischen Umsetzung. Ebenfalls schade ist die Änderung des Filmteams bezüglich des Auslösers von Skeeters Buchidee: Wollte Aibileens verstorbener Sohn ursprünglich ein revolutionäres Buch über die Lebensumstände der schwarzen Bevölkerung schreiben, was Skeeter auf die Idee zu ihrem Buch brachte, stammt die Idee im Film direkt von Skeeter – ohne Impuls. Von Aibileens Sohn Trelore erfahren Skeeter und der Zuschauer erst, als das Buchprojekt bereits im Gange ist.
Yule Mae, die, aufgrund des niedrigen Einkommens, nur einen ihrer beiden Söhne auf das College schicken kann, wird im Film verhaftet, anschließend wird auf ihr Schicksal bzw. das ihrer Kinder nicht weiter eingegangen. Im Roman legt die Gemeinde der afroamerikanischen Einwohner Jacksons Geld aus den Einnahmen der verkauften Bücher zusammen, damit beide Söhne Yule Maes studieren können – diese selbstlose Geste, die so beispielhaft für den Zusammenhalt der Schwarzen in Stocketts Buch ist, fehlt im Film leider und der Zuschauer muss davon ausgehen, dass es für Yule Mae und ihre Söhne eine weniger glückliche Zukunft gibt.
Zusammenfassend kann ich den Film generell empfehlen, doch wer den Film sieht, sollte sich das Buch keinesfalls entgehen lassen! Denn die Verfilmung von „The Help“ sorgt für einen schönen Abend, regt aber nicht zum Nachdenken an und wirkt längst nicht so nach wie die zugehörige Vorlage. Lobenswert ist jedoch, dass „Dreamworks“ Unterrichtsmaterialien zum Film für verschiedene Fächer auf der Film-Website bereitgestellt hat.
[Stöckchen] 11 Fragen
Veröffentlicht von Kathrin in Dies und Das am 22. Januar 2012
Die liebe Wörterkatze hat mir ein Stöckchen überreicht. Folgende elf Fragen, die euch ein wenig mehr von mir verraten sollen, gilt es zu beantworten:
1. Hörbücher und Buch?
Ein Buch zum Anfassen und Darin-Blättern ist mir noch immer am liebsten. Ich möchte gerne in meinem eigenen Tempo lesen, schöne Sätze oder Gedanken auf mich länger einwirken lassen, in meinem Kopf den Figuren eigene Stimmen geben und die Betonung nach meinem Empfinden anpassen. Zudem gibt es bisher nur wenige Sprecher, deren Stimme und Vortragsweise mir wirklich angenehm ist. Beim eigenen Lesen entstehen doch andere Bilder im Kopf als beim Vorgelesen-Bekommen. In Zeiten, in denen ich täglich jedoch längere Autofahrten habe, lausche ich lieber Hörbüchern als dem immer gleichen Mainstream-Radioprogramm.
2. Wer ist dein Lieblingsautor und warum?
Oh je, einen kann ich da gar nicht nennen. Ich habe eigentlich mehrere: Jodi Picoult, Henning Mankell, John Boyne, Edgar Allan Poe, William Shakespeare und Tatiana de Rosnay. Jeden von ihnen mag ich aus einem anderen Grund: Picoult aufgrund ihrer Themenwahl, Mankell wegen der Atmosphäre seiner Afrika-Romane, Poe wegen seiner makaberen Figuren und Geschichten und Shakespeare hat einfach einen unvergleichlichen, einmaligen Schreibstil. John Boynes und Tatiana de Rosnays Bücher liebe ich hingegen aufgrund ihrer vielschichtigen, ausgefeilten und authentischen Charaktere, die trotz ihrer Fehler, die sie sich auch selbst eingestehen, unbeschreiblich sympathisch sind. Zudem berühren die Geschichten beider Autoren jedes Mal auf eine ganze besondere Weise und vor allem nachhaltige – ganz ohne dabei auf Kitsch oder Sentimentalitäten angewiesen zu sein.
3. Lieber das Original oder doch in Deutsch?
Bücher anglophoner Autoren lese ich auch lieber im Original, da durch Übersetzungen so viel verloren gehen kann – Atmosphäre, Schreibstil, Wortwitz, sprachliche Mittel wie Dialekte …
Da meine sonstigen Sprachkenntnisse sich nur auf Basisniveau bewegen, werden Bücher anderssprachiger Schriftsteller aber natürlich auf Deutsch gelesen.
4. Kalt oder Warm?
Obwohl im Januar geboren, bevorzuge ich warme Temperaturen und Sonnenschein.
5. Wer ist dein Lieblingsmusiker oder Lieblingsmusikerin? Und warum?
DEN einen Lieblingsmusiker habe ich gar nicht. Ich höre vieles gerne – Clueso, Mia, Alicia Keys, Musical (hier habe ich hingegen einen Favoriten: Mark Seibert). Doch worauf ich Lust habe, hängt immer von meiner Stimmung ab. Eindeutiger kann ich hingegen Musikerinnen benennen, bei denen ich sofort umschalte, sobald ihre Lieder im Radio ertönen
6. Welcher Autor nie wieder?
Da gibt es eigentlich keinen. Ich bin mir nicht sicher, inwieweit man einen Autor nach nur einem Buch beurteilen kann. Und bisher hatte ich auch nur wenige literarische Fehlgriffe, da ich meistens doch nach wenigen Sätzen schon gut einschätzen kann, ob das Buch etwas für mich sein könnte – ist dies nicht der Fall, befördere ich es gar nicht erst zur Kasse.
7. Wenn Urlaub, dann im Norden oder im Süden?
Beides. Zum richtigen Entspannen finde ich Strandurlaub geeigneter. Doch nur diese Art des Reisens wäre mir auf Dauer zu eintönig. Ich möchte gerne so viele Orte wie möglich sehen und finde auch Städtetrips oder Reisen außerhalb tropischer Temperaturen immer spannend. Dieses Jahr sollte es eigentlich endlich nach Schweden gehen, doch nach dem Crash am Jahresanfang sieht es finanziell bei mir leider nicht so rosig aus und ich sehe Stockholm und Co. vorerst in die Ferne driften.
8. Welches Tier wärst Du gerne?
Schwer zu sagen. Wenn ich meinen Kater so ansehe, hat dieser es wirklich gut – regelmäßige Streicheleinheiten, keine Sorgen, bedingungslose Liebe seitens der Besitzer …
Andererseits stelle ich es mir auch schön vor, wie ein Vogel durch die Lüfte zu gleiten oder wie ein Fisch durch die bunten Korallenriffe des Meeres zu schwimmen (in dieser Hinsicht kann ich Kapitän Nemo gut verstehen!).
9. Tee oder Kaffee?
Tee! Genauer gesagt: Früchtetees in allen Variationen und selbst zubereiteten Chai (je mehr Zimt, desto besser). Allerdings mag ich auch espressohaltige Getränke wie Latte Macchiato, Cappuccino oder Moccacino.
10. Welches ist dein Lieblingsgenre in der Literatur?
Ganz klassisch: Romane, am besten inhaltsschwanger, mit leichter Gesellschaftskritik (aber bitte ohne erhobenen Zeigefinger!), gut porträtierten Charakteren und viel Raum zum Nachdenken.
11. Dein Buchtipp!
… ist nicht einer, sondern zwei: John Boynes „The House of Special Purpose“/ „Das Haus zur besonderen Verwendung“ und Tatiana de Rosnays „Das Haus der Madame Rose“
Nun ist es an mir, elf Fragen an andere Blogger zu stellen:
- Welchem Buch warst du eher skeptisch gegenüber, das dich dann aber begeistert hat?
- Wärst du eine Figur aus einem Fantasy- oder Science-Fiction-Roman, welche Fähigkeit hättest du dann gerne?
- Welches Buch begleitet dich – aus positivem oder negativem Grund – schon dein ganzes Leben lang?
- Was bevorzugst du und warum: private Buchhandlung, Buchhandelskette, online, auf dem Flohmarkt, ersteigert oder ertauscht?
- Alle Bücher in speziellem Umschlag, Eselsohren oder Randnotizen – welche ist deine größte Lesemacke?
- Welche Schullektüre hat dir am meisten gefallen, welche am wenigsten?
- Um welche einstige Schullektüre beneidest du Freunde, Bekannte oder Verwandte?
- Welches Buch oder welchen Autor hältst du für überbewertet?
- Eine Geschichte, dessen filmische Umsetzung du besser fandest als die literarische Vorlage, ist … ?
- Die perfekte Lesesituation ist für dich … ?
- Hardcover, Taschenbuch oder E-Book?
Diese elf Fragen stelle ich nun den Betreibern folgender Blogs, wobei es natürlich auch jedem anderen frei steht, das Stöckchen bei mir einzusammeln
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Picoults Tochter feiert Romandebüt
Veröffentlicht von Kathrin in Autoren, News und Infos am 14. Januar 2012
Jodi Picoult hat gemeinsam mit ihrer Tochter Samantha van Leer einen Young Adult-Roman geschrieben. Unter dem Titel „Between the Lines“ erscheint das schriftstellerische Debüt der Autorentochter am 26. Juni – natürlich unter der Feder von Picoults Langzeit-Verleger „Atria Books“. Via „Entertainment Weekly“ wurde diese Woche auch das Cover des Romans veröffentlicht:
Doch worum geht es in dem Debütroman der jungen Samantha überhaupt?
„Between the Lines“ erzählt die Geschichte der Bücher liebenden Delilah. Eines Tages spricht Prinz Oliver, die Hauptfigur ihres Lieblingsmärchens (das im Übrigen auch den Titel „Between the Lines“ trägt), zu ihr und es stellt sich heraus, dass der fiktive Charakter gar nicht so fiktiv ist: Prinz Oliver ist in Wirklichkeit ein Teenager, der sich danach sehnt, der vorbestimmten Gefangenschaft in Delilahs Lieblingsbuch zu entkommen. Delilah setzt daraufhin alles in Bewegung, um Oliver von seinem Schicksal zu befreien – und in typischer YA-Manier verlieben sich beide ineinander …
Nun bin ich generell neugierig auf das Schreibtalent von Picoults Tochter. Zum einen würde mich – als Picoult-Süchtige – interessieren, wie sehr man „Between the Lines“ anmerkt, dass die renommierte Autorin ihre Finger im Spiel hatte, zum anderen auch, inwieweit Unterschiede und/ oder Gemeinsamkeiten zwischen Schreib- und Erzählstil von Mutter und Tochter vorliegen. Andererseits reizt mich die Geschichte an sich nicht allzu sehr, da ich die Thematik „reale Person trifft auf fiktive (Lieblings-)Figur aus Buch oder Film“ mittlerweile etwas verbraucht finde.
Also was meint ihr? Seid ihr neugierig auf ein Buch von Picoults Tochter? Was haltet ihr von der Geschichte? Und wie steht ihr generell dazu, wenn der Nachwuchs berühmter Autoren in die schriftstellerischen Fußstapfen tritt? Seid ihr neugierig oder eher skeptisch? Sind eure Anforderungen höher als an andere Nachwuchsautoren?
Auf Amazon und Co. könnt ihr „Between the Lines“ natürlich auch schon vorbestellen. Erhältlich ist es im Hardcoverformat sowie als E-Book.









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